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Individuelle Förderung bei Kindern– Muss das sein?

Individuelle Förderung bei Kindern - Muss das sein?
Verfasst von Marie Franke

In den letzten Jahren haben die Ansprüche von Eltern gegenüber Erziehern, Lehrern und auch den eigenen Kindern zugenommen. Individuelle Förderung ist in aller Munde und jeder hat eine Meinung zum Thema. Warum Sie als Eltern trotzdem entspannt bleiben sollten und Kinder ihren Weg auch ohne viel Tamtam finden, lesen Sie heute bei uns.

„Mein Kind kann schon dies und das. Ist in dem Bereich total weit und wir sitzen jeden Tag zu Hause und beschäftigen uns mit wichtigen Themen.“ Ich muss kurz stocken. Diese Gespräche kennen wir alle, gerade Mütter neigen dazu, die eigenen Kinder mit anderen Kindern zu vergleichen. Natürlich ist das eigene Kind immer einen Tick besser und weiter und muss individuell gefördert werden. Was ich als Pädagogin davon halte? Nicht viel.

Ein Kind einfach Kind sein lassen

Die Kindheit ist die letzte Zeit, in der Kinder einfach so sein dürfen und können, wie sie sind. Kinder sollten spielen, die Welt entdecken, Erfahrungen machen und manchmal komplett verdreckt nach Hause kommen dürfen. Die Realität ist aber eine andere. Viele Kinder sollen schon in der Kita bestmöglich gefördert werden und einige Eltern übertreiben es ein wenig. Kinder, die schon mit 3 Jahren Fremdsprachenunterricht bekommen und Erstklässler, die schon eine Nachhilfe besuchen, sind da keine Seltenheit. Dass Kindheit etwas mit ankommen und wachsen zu tun hat, vergessen viele.

Was kann ich als Elternteil machen?

Jetzt fragen Sie sich bestimmt, wie Sie Ihr Kind fördern können? Mein Tipp: Unterstützen Sie Ihr Kind einfach beim Aufwachsen. Sehen Sie diese Phase als etwas Magisches an. Als etwas, dass ohne eingreifen ablaufen darf. Wir haben immer viel gelesen, denn Bücher gehören zu unserem Leben einfach dazu. Meine Tochter konnte früh sprechen und heute auch schon sehr gut lesen und schreiben. Das Lesen macht sehr viel, fördert den Wortschatz und macht den Kindern zusätzlich viel Spaß. Fangen Sie doch einfach schon an, Ihrem Säugling kleine Bücher und Passagen vorzulesen, so können Sie Rituale entwickeln.

Kinder brauchen Freiraum

Natürlich ist mir die Entwicklung meines Kindes sehr wichtig. ABER ich weiß auch, wie notwendig Freiraum ist und wie wichtig das „Platz finden“ im Leben ist. Es bringt meinem Kind nichts, wenn ich es jetzt komplett überfordere, weil mir die Förderung so wichtig ist. Manchmal darf meine Tochter auch Langeweile haben und sich selbst etwas zu tun suchen. Gerade diese Nachmittage und Stunden sind so wertvoll und fördern ihre Kreativität viel mehr, als unzählige Lernplattformen und Kurse.

Individuelle Förderung bei Kindern - Muss das sein?

Jede Familie muss ihren Weg finden

Hören Sie auf Ihr Herz und Ihren Bauch, denn das ist es, was zählt. Wenn Ihnen Förderung unglaublich wichtig ist und Ihr Kind diese auch toleriert, ist dies Ihr richtiger Weg. Wichtig ist nur, den Blick auf das eigene Kind niemals zu verlieren. Sollte Ihr Kind überfordert sein, werden Sie das eindeutig merken. Individuelle Förderung ist ein Spagat zwischen Überforderung und Unterforderung.

Wenn Kinder Individuelle Förderung brauchen

Immer wieder gibt es Kinder, die tatsächlich Individuelle Förderung benötigen. Teilweise ist das Gefühl für Sprache noch nicht ausgeprägt, motorische Fähigkeiten können verbessert werden oder andere Bereiche benötigen Unterstützung. In den letzten Jahren gibt es immer mehr Diagnosen und immer mehr Behandlungsmöglichkeiten für Kinder. Doch warum ist das so? Weil der Anspruch der Eltern zunimmt und viele Eltern in einem Kreislauf gefangen sind. Neue Studien werden entwickelt und immer neue Wege entstehen, diese Fähigkeiten zu analysieren.

Mein Tipp: Egal, wie Sie Ihr Kind fördern, verlieren Sie nicht den Blick fürs Wesentliche! Wie ist Ihre Meinung dazu?

Ihre Marie Franke

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Dieser Inhalt wurde verfasst von

Marie Franke

Marie Franke ist Erziehungswissenschaftlerin, Germanistin, Bloggerin und Mama. Das chaotische Leben mit ihrer 9-jährigen Tochter und ihrem 3-jährigen Sohn bietet genug Material für den Blog frauraufuss.de. Dort bloggt sie unter dem Pseudonym Märry Raufuss. Irgendwann will sie mal Lehrerin werden, bis dahin gibt sie Einblick in den total normalen Wahnsinn einer studentischen Mama und in einer Patchworkfamilie. In ihrem Studium beschäftigt sie sich mit den Themen Patchwork, Wandel der Familien und neuen Familienmodellen.

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